Afrikas riskante Wette
Shownotes
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00:00:00: Kenya gewinnt ja heute schon beeindruckende ein neunzig Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen.
00:00:06: Das ist in absoluter Wahnsinnswert.
00:00:08: und trotzdem hat mehr als ein Drittel der Menschen in Afrika überhaupt kein Zugang zu Strom.
00:00:13: Ja, das ist ein extrem harter Kontrast!
00:00:16: Und genau in diese Lücke stößt jetzt halt ein gigantisches Versprechen nämlich grüner Wasserstoff.
00:00:22: Richtig, wir durchleuchten das heute mal im Detail um rauszufinden ob diese Technologie der langersehnte Befreiungsschlag ist oder vielleicht am Ende doch nur die nächste Ressourcenfalle.
00:00:32: Die Faszination für dieses Thema ist jedenfalls extrem groß!
00:00:35: Man erhofft sich da quasi zwei drängende Probleme auf einmal zu lösen...
00:00:40: Also Energiezugang und Wirtschaft gleichzeitig?
00:00:43: Genau man baut die Infrastruktur für einen flächendeckenden Energiezugangsauf und schafft gleichzeitig die Basis für eigene, richtig wettbewerbsfähige Industrien vor Ort.
00:00:53: Okay das wäre dann also das Ende dieser reinen Rohstoffexportlogik?
00:00:57: Wir reden hier nicht über so eine neue bequeme Zapfsäule an der sich der globale Norden einfach bedient.
00:01:02: Absolut nicht zumindest im Idealfall!
00:01:05: Wenn man klug verhandelt müsste das echte lokale Wertschöpfung bedeuten.
00:01:09: Wie sieht es denn in der Praxis aus?
00:01:11: Na ja, Staaten könnten bei den Verträgen mit Investoren harte Bedienungen stellen.
00:01:16: Sie könnten zum Beispiel festschreiben dass jede neue Solar- oder Windanlage für die Wasserstoffproduktion zwingend auch das lokale Stromnetz speisen muss.
00:01:25: Ah verstehe!
00:01:26: Das heißt der Strom bleibt auch wirklich bei den Menschen?
00:01:29: Richtig und mit so einer Basis lassen sich dann eigene saubere Industrien hochziehen.
00:01:34: man denke da nur an die extrem energieintensive Metall- oder Zementproduktion.
00:01:39: Das klingt auf dem Papier ja erstmal super Aber da klingeln bei mir direkt die Alarmglocken, wenn ich mir die physikalische Realität ansehe.
00:01:46: Du meinst die Elektrolyse an sich?
00:01:48: Genau!
00:01:49: Grühler Wasserstoff entsteht ja indem man mit Ökostrom schlichtweg Wassermoleküle aufspaltet also H-IIO in Wasserstoff und Sauerstoff.
00:02:00: Das bedeutet... Man braucht für diesen Prozess zwangsläufig echtes Wasser Und davon wahrscheinlich nicht gerade wenig oder?
00:02:08: Völlig richtig.
00:02:09: Und da sind wir auch schon beim absoluten blinden Fleck dieser Technologie.
00:02:13: Um ein einziges Kilogramm Wasserstoff zu erzeugen, verschlingt der Prozess im Durchschnitt – halte dich fest!
00:02:20: zwischen siebzehn Komma fünf und zweiundzwanzig Komma drei Liter Reinstwasser.
00:02:24: Puh!
00:02:25: Warte mal über zwanzig Liter für einen Kilo?
00:02:29: Und wir sprechen hier über Anlagen, die meistens dort gebaut werden wo die Sonneneinstrahlung am höchsten ist.
00:02:34: Ja logischerweise Aber
00:02:36: das sind doch Regionen in denen Wasser ohnehin schon ein extrem rares Gutes.
00:02:40: Ich meine man kann ja nicht einfach das Grundwasser anzapfen.
00:02:43: Nee absolut nicht.
00:02:44: Das würde die lokalen Existenzen komplett vernichten und das zwingt die Planer eben zu einer extrem aufwendigen Alternative der Meerwasserentsalzung.
00:02:53: Oh
00:02:54: Gott Okay
00:02:56: Du musst das Wasser aus dem Ozean holen, es entsalzen und dann kannst du's erst spalten.
00:03:01: Und diese Entsalzungsanlagen sind nicht nur technologische Monster die sind unglaublich teuer!
00:03:15: Es
00:03:26: übersteigt deren nationale Budgets wirklich um ein Fachfaches.
00:03:31: Und hier liegt ein fundamentaler Zielkonflikt,
00:03:33: weil sie das alles ja irgendwie finanzieren müssen.
00:03:36: Richtig!
00:03:37: Um überhaupt mitspielen zu können, müssen diese Staaten riesige Kredite bei ausländischen Akteuren aufnehmen.
00:03:43: Die Rückzahlung ist aber extrem unsicher.
00:03:47: Weil niemand weiß wie der Markt sich entwickelt?
00:03:48: Genau!
00:03:49: Niemand weiß heute ob dieser Wasserstoff auf dem Weltmarkt dauerhaft die Preise erzielt, die diese Milliardenkredite am Ende rechtfertigen.
00:03:57: Im schlimmsten Fall baut man sich also eine brandneue Schuldenfalle auf – eine massive Abhängigkeit von ausländern Kreditgebern
00:04:04: Und das betrifft ja nicht Urbilanzen.
00:04:07: Wenn solche Anlagen riesige Flächen verschlingen, geht das oft ganz konkret auf Kosten der Bevölkerung.
00:04:12: Das Risiko für die Menschenrechte ist da sehr real!
00:04:16: Hast du dann ein konkretes Beispiel?
00:04:17: Naja nimm' mir mal pastorale Gemeinschaften – also momadisch lebende Viehirten.
00:04:22: Deren traditionelle Landrechte sind juristisch oft gar nicht formell abgesichert.
00:04:27: Ah ok…das heißt wenn riesige flächen für Wind- und Solarparks einfach übernommen werden verlieren die ihren Zugang zum Land.
00:04:36: Genau, die verlieren quasi über Nacht ihre Lebensgrundlage!
00:04:40: Da drohen Handfeste, Landkonflikte und Vertreibungen – das wird in dieser Goldgräberstimmung rund um den Wasserstoff auf total
00:04:48: übersehen.".
00:04:48: Das
00:04:49: ist wirklich faszinierend….
00:04:51: Weißt du?
00:04:52: Wenn man diese Schichten aus Finanzen, Technologie- und Menschenrechten hier so im direkten Gespräch übereinanderlegt, dann wird einem erst klar wie unfassbar komplex das wirklich ist... Absolut.
00:05:05: Das spürt man in dieser Deutlichkeit ja kaum, wenn man die Fakten mühsam aus trockenen Fachpublikationen filtern muss.
00:05:12: Es ist eben keine simple Technik optimistische Heldengeschichte Sondern eine knallharte Frage der politischen und wirtschaftlichen Gerechtigkeit.
00:05:21: Ja das trifft es gut.
00:05:24: Die Technologie für eine klimaneutrale Zukunft ist da, das steht völlig außer Frage.
00:05:29: Aber die wirkliche Bewährungsprobe hat mit der Technik selbst eigentlich gar nichts zu tun.
00:05:36: Sondern?
00:05:37: Es wird sich einfach zeigen müssen, ob grüner Wasserstoff die alten Ausbeutungsmuster des fossilen Zeitalters durchbricht oder ob er exakt dieselben Machtstrukturen unter einem neuen grünen Deckmantel reproduziert.
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